Teos, die Heimat des brühmten Lyrikers Anakreon (530 v.Chr.), ist in ca. einer halben Stunde Fußmarsch südlich von Sığacık über eine Schotterstraße erreichbar. Die Lage von Teos war damals so günstig, daß Thales von Milet die Stadt Anfang des 6.Jh. v.Chr. als zentralen Verwaltungssitz der gesamten ionischen Städte vorschlug. Eine andere Überlieferung berichtet, daß Teos von den Minyern aus Böotien gegründet wurde; gefolgt von Ioniern und Athenern vollzog die Stadt von Anfang an eine blühende Entwicklung. Die Zerstörung von Smyrna (dem heutigen Izmir) um 600 v.Chr. durch Alyattes von Lydien und ein halbes Jahrhundert später endgültig durch persische Soldaten, trug auch dazu bei, daß Teos nicht mehr im Schatten vom Smyrna stand und blühen konnte.
Die Schutzgottheit von Teos war Dionysos; die Stadt wurde am Ende des 3.Jh. v. Chr. das Zentrum der Techniten des Dionysos, einer privilegierten religiösen Zunft von Künstlern, Schauspielern und Musikern, die bei religiösen Festen der griechischen Städte Anatoliens auftraten. Zwar genoß dieses Künstlervölkchen zuerst hohes Ansehen, aber sein Lebenswandel und lockeres Treiben provozierte die Bürger immer mehr . Darum mußten die Techniten öfter umziehen, bis sie schließlich im unbedeutenden, südwestlich gelegenen Lebedos landeten. Teos blieb trotz Smyrnas Wiederaufbau in der hellenistischen Zeit und danach bis in die Genuesezeit des 15. Jh. eine beachtliche Stadt. Die Genuesen errichteten jene Festungsanlage, von der man am Nordhafen (heutiges Sigacik) noch Mauerzüge und Türme sehen kann.
Eigentlich ist Teos etwas für Romantiker, die in dem grünen, mit Blumen übersäten, unüber- sichtlichen Gelände mehr die Stimmung genießen als antike Ruinen besichtigen wollen. Da dieses Gebiet touristisch noch nicht voll erschlossen ist, genießt man hier die Ruhe und eine magische Atmosphäre. Zwischen den antiken Säulen scheint die Vergangen-heit noch gegenwärtig und die Zeit gefangen in der Stille zu sein. Man betritt das Gelände beim Dionysos -Tempel - der größte je erbaute Tempel für den Gott des Weins – mit einigen wiederaufgerich-teten Säulenstümpfen. Der Architekt soll Hermogenes von Alabanda (2.Jh. v. Chr.) gewesen sein, der später auch den Artemis-Tempel entwarf. Östlich davon befinden sich die kargen Überreste eines römischen Odeons, ein theaterähnliches Bauwerk mit elf Sitzreihen in gutem Zustand. Die meisten dieser Sitze wurden leider in der späteren Zeit verschleppt und zum Bau des Sigacik-Kastells verwendet. Die Akropolis, von der nur wenige Mauerreste zu sehen sind, befand sich ungewöhnlicherweise auf einem gesonderten Hügel. Von hier aus hat man eine großartige Aussicht. Südlich der Akropolis sind teilweise die Galerie und die oberen Sitzreihen eines hellenistischen Theaters noch erhalten. Zwischen dem Dionysostempel und dem Theater wurden die Überreste einer antiken Siedlung, Privathäuser, Straßen und ein Wassergraben freigelegt.
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